Online-Tagung Ernährungsbildung am 28. Oktober 2020
Die ersten 1000 Tage – Kinderernährung in Bewegung

Frau mit Kind auf Bildschirm im Studio vor Kamera

Die ersten 1000 Tage - von Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende des zweiten Lebensjahres - sind eine Phase, in der beim Kind in Bezug auf Entwicklung und Prägung sehr viel passiert. In diesem Zeitraum werden die Weichen für das gesamte spätere Leben gestellt.

Was das in Bezug auf Ernährung und Bewegung von Eltern und Kind bedeutet, griff die Tagung Ernährungsbildung der bayerischen Netzwerke "Junge Eltern/Familien" am 28. Oktober 2020 auf.

Erstmal Online-Fachtagung
Unter dem Motto "Die ersten 1000 Tage - Kinderernährung in Bewegung" erfuhren die über 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wie diese richtungsweisende Zeit für Kinder optimal genutzt werden kann.
Coronabedingt fand die Tagung der Fachzentren Ernährung/Gemeinschaftsverpflegung zum ersten Mal online statt. Aber auch digital wurde auf Interaktivität nicht verzichtet. Die Netzwerkpartner aus ganz Bayern nutzten die Möglichkeit, ihre Fragen zu stellen und brachten sich rege in die Diskussionen ein.
Ernährung: Einfach. Gut. Starten
Anschaulich erläuterte Ökotrophologin Brigitte Neumann die aktuellen Empfehlungen zur Ernährung in den ersten 1000 Tagen. Im ersten Fachbeitrag "Ernährung: Einfach. Gut. Starten" zeigte sie auf, wie eine ausgewogene Ernährung von Beginn der Schwangerschaft über Stillzeit und Beikost bis hin zum Familientisch gelingen kann. Hierzu gab die Referentin viele Tipps und plädierte gleichzeitig für einen nicht zu verkrampften Umgang mit dem Thema, denn: "Essen soll Lust sein und für Familien keine Last sein!", so Brigitte Neumann.
Bewegung Motor von Lernlust
Ähnlich gilt es für den Bereich Bewegung. Michael Passolt, Leiter des Instituts für Bewegungsbildung und Psychomotorik in München, griff auf, wie von Geburt an "Bewegung Motor von Lernlust" sein kann. "Kinder dürfen Unsicherheit spüren, um ein Gefühl für Sicherheit zu entwickeln – das funktioniert spielerisch am besten durch Bewegung", wie der Motologe verdeutlichte. "Kinder müssen die Möglichkeit haben, selbst entdecken zu können" und wie in der Ernährung gilt in der Bewegung "Eltern sollen Vorbild sein!", so Passolt.
Aktive Pause
In einer aktiven Pause waren die teilnehmenden Erzieherinnen und Erzieher, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren und Eltern vor dem Bildschirm aufgerufen, kurze Bewegungstipps für Homeoffice oder das Büro selbst auszuprobieren. Michael Passolt zeigte Beispiele, mit denen jeder seinen überwiegend sitzenden Alltag auflockern kann. "Wichtig ist, einfach mal aufzustehen und die Position zu wechseln, dazu benötigt man keine besonderen Geräte", gab der Bewegungsexperte als Anstoß.
Kooperation auf Augenhöhe
Abgerundet wurden die Fachbeiträge im Anschluss von Marion Annecke, die aufzeigte, wie "alle an einem Strang ziehen – so dass Elternarbeit gelingt." Die Sozialpädagogin und Supervisorin gab den Teilnehmerinnen und Teilnehmern methodische Tipps zur Gesprächsführung an die Hand und machte deutlich, dass immer die Grundhaltung "Ich bin ok – Du bist ok" das Ziel sein sollte, damit eine Kooperation auf Augenhöhe gelingen kann.

Netzwerk "Junge Eltern/Familien – Ernährung und Bewegung"
Die Netzwerke "Junge Eltern/Familien – Ernährung und Bewegung" wurden 2009 vom Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ins Leben gerufen. An den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten greifen sie bayernweit viele der Tagungsinhalte auf und unterstützen Familien mit Kursen in Theorie und Praxis. Aktuell findet ein Teil der Angebote für interessierte Familien online statt.

Ansprechpartner

Lukas Wiese
AELF Bayreuth
Adolf-Wächter-Straße 10 - 12
95447 Bayreuth
Telefon: 0921 591-1345
Fax: 0921 591-111
E-Mail: poststelle@aelf-by.bayern.de

Rückblick

Fachtagung 2019

10 Jahre Netzwerke Junge Eltern/Familien Ernährung und Bewegung

Rückblick, Einblick, Ausblick – rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer blickten mit uns auf 10 Jahre erfolgreiche Arbeit des Netzwerks "Junge Eltern/Familien" zurück und bildeten sich zu den Themen Ernährung und Bewegung von Kindern fort.

Zu Beginn der Tagung berichteten einzelne Netzwerkpartner von ihren Erfahrungen und Eindrücken vom Netzwerk und den vergangenen 10 Jahren. Anschließend erhielten die Teilnehmer Einblicke in die aktuellsten Empfehlungen der Ernährung und Bewegung im Kindesalter und erarbeiteten am Nachmittag gemeinsam mit den Referenten Möglichkeiten, um diese Empfehlungen in den Familien- und Kitaalltag zu integrieren.

Vorträge am Vormittag

In zwei Fachvorträgen wurden aktuelle Empfehlungen zur Ernährung und Bewegung im Kindesalter vorgestellt.

Fakten vs. Mythen – Kinderernährung aktuell
Dr. Linda Weber, Dipl. Ökotrophologin, stellte aktuelle Ernährungsempfehlungen für Säuglinge und Kleinkinder vor: Im Großen und Ganzen haben sich diese kaum gewandelt, einzelne Empfehlungen wurden jedoch v.a. im Bereich der Prävention von Allergien und ernährungsbedingten Erkrankungen konkretisiert.
"Mein Kind ist ein schlechter Esser" oder "natürliche Süßungsmittel sind gesünder" sind typische Ernährungsmythen, die in der Kinderernährung kursieren. Neben den gängigsten "Märchen" beleuchtete Dr. Weber auch den Trend zu einer vegetarischen und veganen Ernährungsweise bei Säuglingen und Kleinkindern.
Entsprechend der letzten Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE, 2016) sei eine vegane Ernährung für Schwangere, Stillende, Säuglinge, Kinder und Jugendliche v.a. aufgrund der problematischen Vitamin B 12-Versorgung nicht empfehlenswert.
Zweiter Plenumsvortrag Kinder Und Bewegung - Das Wissen Wir Heute Dr. Andrä
Kinder und Bewegung – das wissen wir heute
Sportlich startete der Sportwissenschaftler Dr. Christian Andrä von der Universität Leipzig in seinen Vortrag. Nach einer kurzen Bewegungseinheit waren die Teilnehmer wieder konzentrierter und aufnahmefähiger – eine Erkenntnis, die laut Andrä vor allem auch für unsere Kinder relevant sei. Aktuell erfüllen nur rund 25 % der Sieben- bis Zehnjährigen die Empfehlung der World Health Organisation (WHO) von mindestens 60 Minuten täglicher Bewegungszeit. Damit sich Kinder ausreichend bewegen, empfiehlt er u.a. viele Bewegungsmomente in den Familien- bzw. Kinderalltag einzubauen und als Vorbild in Sachen Bewegung voran zu gehen.

Foren

So wird Ernährung alltagstauglich – Ernährungsempfehlungen praktisch umgesetzt

Rebecca Kunz, Ökotrophologin, erarbeitete gemeinsam mit den Teilnehmern Möglichkeiten, wie man „gesundes Essen“ sowohl zu Hause als auch für die Brotbox interessant und kindgerechter gestaltet

Gummitwist, Hula-Hoop und Co – Alte Spiele für Kinder von heute

In seinem Forum ließ Sportwissenschaftler Dr. Andrä alte Spiele wieder aufleben und brachte die Teilnehmer eine Stunde lang mit viel Kreativität und Spaß zum Schwitzen.

Mittendrin und voll dabei – wie Kinder Alltagskompetenzen erleben

Tanja Breitkopf, Hauswirtschaftsmeisterin aus Frauenzell, entwickelte in Gruppenarbeiten mit den Teilnehmern, wie Eltern und Erzieher Kindern Alltagskompetenzen im Bereich Ernährung vermitteln können.