Jungzüchter holen sich Tipps
Den Auftritt bei der Tierschau fachgerecht vorbereiten

Rind in Arena

Rind bei der Tierschau des Zentral-Landwirtschaftsfestes

Bei Tierschauen zeigen Rinderzüchter aus Oberfranken regelmäßig der Bevölkerung, mit welchen Tieren sie hochwertige Nahrungsmittel – insbesondere Milch und Fleisch - erzeugen. Zudem sind die Schauen ein Wettbewerb der harmonischsten, vitalsten Tiere.

Wie Jungzüchterinnen und -züchter ihre Zuchttiere vorbereiten und präsentieren können, zeigte eine Schulung und Übung im Sommer 2019 in Bayreuth. Organisiert hatten sie der Jungzüchterclub Bayreuth-Kulmbach mit Vorsitzendem Christian Lappe und Fachberater Hans Protschky vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Bayreuth. Anne-Mette Evers und Bettina Rewerts, zwei Profis aus Norddeutschland mit Erfahrung im Umgang und der Organisation von Tierschauen, schulten die jungen Leute.
Historischer Hintergrund
Im Jahr 1810 heiratete Kronprinz Ludwig, der spätere König Ludwig I. von Bayern, Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen. Dazu fand in München ein Pferderennen statt. Die Veranstaltung auf der Theresienwiese war der Grundstein für das Oktoberfest. Als Attraktion trat an die Stelle des Pferderennens zunächst eine Tierschau, später eine umfassende Landwirtschaftsausstellung. Letztere ist inzwischen vom Volksfest getrennt und bekannt als Zentral-Landwirtschaftsfest (ZLF). Seit 1996 findet das ZLF im vierjährigen Turnus parallel zum Oktoberfest statt - das nächste Mal im Jahr 2020. Bereits heuer, am 26. Oktober 2019, wird in Schwandorf eine große Tierschau für den Nordbayerischen Raum veranstaltet.

Grundsätze für die Tierschau

Die Doppelgarage des Betriebes Bär in Deps diente als Lehrsaal. Anne-Mette Evers erläuterte Grundsätze, die bei jeder Tierschau zu beachten sind:
Auswahl der Tiere
Zu Beginn steht die Auswahl der geeigneten Tiere. Grundsätzlich haben Hausrinder eine besonders gute Beziehung zum Menschen - das Rind wird schon seit ca. 10.000 Jahren als Haustier genutzt; noch vor weniger als 100 Jahren lieferte es nicht nur Milch und Fleisch, Kühe und Ochsen zogen sehr oft auch den Pflug und Wagen. Dennoch ist jedes Tier anders. Zur Präsentation auf einer Tierschau eignen sich laut Evers besonders Tiere, die sich ihrem Betreuer freiwillig - vielleicht neugierig - nähern und die einen ruhigen Charakter haben.
Zuchtziele im Blick
Die vorgestellten Tiere gelten als Beispiele ihrer Rasse. Sie sollten hinsichtlich Körperbau und der geschätzten Vererbung den Zuchtzielen der Rasse entsprechen. Für die hiesigen Fleckviehzüchter ist es ein Glücksfall, dass Fitnesseigenschaften bei der hier vorherrschenden Rasse sehr stark beachtet werden (Wichtung von 44 % im Gesamtzuchtwert) und im Zuchtziel genauso wichtig sind wie die Milch- und Fleischleistung: Robuste Kühe mit stabilem Fundament (Beine), festsitzendem Euter und außerdem gutem Muskelansatz wirken körperlich ausgewogen und entsprechen auch dem Bild, das sich die meisten Verbraucher unter einer harmonischen Milchkuh vorstellen.
Tipp vom Profi
Auf einer Tierschau sollten sich sowohl der Züchter als auch das Tier von seiner besten Seite zeigen, beide sollen einen gepflegten Eindruck machen und ein harmonisches Team bilden. Bei Vorführwettbewerben mit Jungrindern wirkt das Team optisch am ansprechendsten, wenn das Rind in der Kreuzbeinhöhe zwischen Ellenbogen- und Schulterhöhe des Vorführers bzw. der Vorführerin liegt.

Vorbereitungen frühzeitig beginnen

Die Vorbereitung der Tiere sollte spätestens vier Wochen vor der Tierschau beginnen.  

Voraussetzungen:

  • Das Wohl des Tieres steht im Vordergrund.
  • Das ausgewählte Tier ist gesund.
  • Die Klauen sind optimal gepflegt.
Dann sollte frühzeitig mit der Vorführübung begonnen werden. Bei Laufstalltieren sollte das Tier zuerst öfters kurzzeitig am Halfter angebunden und später auch herausgeführt werden. Häufigere, kurze Übungseinheiten mit anschließenden kleinen Belohnungen kommen laut Evers bei den Tieren in der Regel gut an.

Schließlich müssen alle Erfordernisse der anstehenden Tierschau eingeübt werden:

  • Der richtige Einzug in den Schauring, die Orientierung auf den Preisrichter und auch die besonnene Reaktion auf seine Signale, z. B. wenn die Schautiere nach der Reihe im Ring aufgestellt werden sollen, erfordern Übung.
  • Um dem Tier klare Anweisungen übermitteln zu können, hält ein geübter Vorführer das Tier mit der linken Hand am Halfter und benutzt die rechte mit losem Kontakt am Tier, um zu beruhigen bzw. um Anweisungen zu geben.
  • Das Tier sollte auch an Musik und Geräusche der bevorstehenden Tierschau gewöhnt werden.
Spätestens etwa 14 Tage vor der Tierschau sollte das Schautier gewaschen und Fell, Kopf und Schwanz optimal gepflegt werden.

Körperpflege und Praxisübung

Der Juniorchef auf dem Betrieb und Jungzüchter Christian Bär hatte ein paar Tage vorher eine relativ ruhige und zutrauliche Kuh, die Kuh "Picolo", ausgewählt, die als mögliche Schaukuh in Frage kommt. Anne-Mette Evers und Bettina Rewerts zeigten bei Picolo die fachgerechte Körperpflege.
Vom Ergebnis der Übung waren alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer beeindruckt. Wie viele Züchter bestätigen, prägt sich die Erfahrung aus einer Tierschau offensichtlich auch bei den Tieren ein: Kühe, die schon auf einer Tierschau waren, nähern sich im Laufstall meistens wieder gerne ihrem Betreuer und fühlen sich auch später noch als "Stars".
Waschen
Nach Möglichkeit verwendet man körperwarmes Wasser, beginnt schonend an den Klauen und arbeitet sich langsam nach oben. „Picolo“ genoss die Prozedur und fühlte sich dabei sichtlich wohl. Zum Lösen von Verschmutzungen können laut Evers rückfettende Shampoos oder Seifen aus dem Humanbereich verwendet werden. Evers begann dabei mit Einseifen am Rücken und arbeitete von oben nach unten und am Kopf besonders vorsichtig. Das Shampoo wurde anschließend sorgfältig ausgespült und nahm einiges an Schmutz mit. Hat das Tier nicht von Haus aus ein kurzes, glattes Fell, so werden Schautiere in der Regel am ganzen Körper außer Wimpern, Tasthaare und Schwanz geschoren; dazu müssen die Tiere vorher sauber und trocken sein.
Harmonie Züchter - Tier
Bis das Haarkleid der Kuh Picolo wieder trocken war, übte die Gruppe mit einem Jungrind das fachgerechte Vorführen auf einer Tierschau. Christian Bär hatte ein Jungrind ausgewählt, das beim Umgang mit dem Züchter sehr gelassen blieb. Bereits ohne intensive Übung ließ sich das Tier problemlos ein Stück führen. Sollte ein robustes Schautier einmal störrisch sein, empfahl Anne-Mette Evers: Es bringe mehr, dem Rind nur durch einen kurzzeitigen Zug am Halfter zu zeigen, was man will, anstatt es mit der Kraft eines halbwüchsigen Fleckviehtieres aufnehmen zu wollen. Nachdem deutliche Fortschritte in der Harmonie des Teams aus Züchter und Tier erkennbar geworden waren, wurde das Tier gelobt und durfte wieder in die Herde.
Körperpflege Teil II
Das Fell von Picolo war inzwischen weitgehend abgetrocknet, so dass die weitere Körperpflege gezeigt werden konnte. Das Scheren und Streicheleinheiten nahm die Kuh gelassen hin. Das Scheren von Rindern ist an sich auch nichts Besonderes, bei Weiderindern dient die Schur vor allem im Herbst vor der Rückkehr in den Stall als Vorbeugung gegen Hautparasiten. Zum Abschluss der Fellpflege wurde noch ein "Hairconditioner" aufgebracht, der das Fell weich und gepflegt machte - nahezu das gleiche Produkt wie aus dem Friseurhandwerk.