Erzeugung gestalten – Arten erhalten
Biodiversität im Landkreis Bayreuth

Wabenförmig angeordnete Bilder und Schriftzug "Produktion gestalten, Arten erhalten"

Biodiversität steht für die Vielfalt des Lebens auf unserer Erde. Sie zu erhalten und zu fördern gehört zur täglichen Arbeit unserer Landwirte und Waldbesitzer. Im Ökosystem sind Mensch, Tier, Pflanze und Landschaft miteinander verwoben. Wer diese Vielfalt schützt, sorgt für eine intakte Umwelt, mehr Lebensraum für Insekten und damit auch für Lebensqualität und Wohlergehen aller.

Unser Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten unterstützt Landwirte, eine nachhaltige Bewirtschaftung umzusetzen. Förderprogramme werden stärker auf Biodiversität ausgerichtet, der Trend zur Regionalität wird gestärkt.

Meldungen

Rückblick Infotag
Biodiversität bald auch in der Bierflasche?

Publikum

Beim Infotag Biodiversität am 24. Mai stellten Referenten auf den Versuchsflächen der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth viele Maßnahmen zur Steigerung der Biodiversität und zur Förderung der Wild- und Honigbienen vor. Außerdem mit dabei: die vom Aussterben bedrohte Pflanze Dicke Trespe, die zum Bierbrauen taugt.  Mehr

Schwerpunkte

Buschwindröschen auf einer Wiese.

Offene Talwiesen erhalten

Drohne über Feld. Veronika Fick-Haas

Maisschädlinge biologisch bekämpfen

Steuobstwiese im November

Streuobstbäume erhalten und pflegen

Schneebedeckte Felder in Bayern

In Hecken und Feldgehölzen Lebensraum bieten

Acker und Grünland

Ein Acker dient der direkten Nahrungsmittelerzeugung. Durch die Bewirtschaftungsintensität und den jährlichen Fruchtwechsel sind Äcker sehr dynamische Lebensräume. Grünland ist eine Dauerkultur, die aus mehrjährigen Gräsern und Kräutern besteht. Es kann nur von pflanzenfressenden Tieren verwertet werden und trägt dadurch auch zur Nahrungsmittelerzeugung bei. Meistens existiert Grünland dort, wo es zu nass, zu trocken, zu steil oder die Bodentiefe nicht ausreichend für eine ackerbauliche Nutzung ist.
In Stadt und Landkreis Bayreuth werden rund 52.000 Hektar Fläche landwirtschaftlich genutzt (31.000 Hektar Acker, 21.000 Hektar Grünland). Weitere 58.600 Hektar werden als Wald bewirtschaftet. Durch die Nutzung dieser Flächen erzeugen unsere Landwirte nicht nur hochwertige Lebensmittel, sondern leisten auch einen erheblichen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt im Tier- und Pflanzenreich.
Zwischenfruchtfeld Ölrettich und SenfZoombild vorhanden

Zwischenfruchtfeld

Verpflichtende Greening-Maßnahmen
Für jeden Landwirt verpflichtend ist das sogenannte Greening. Dazu zählen der Erhalt des Dauergrünlandes, also von Wiesen und Weideflächen, die Bereitstellung von ökologischen Vorrangflächen und die Fruchtartenvielfalt. Im Jahr 2018 wurden für die Bereitstellung von ökologischen Vorrangflächen rund 6.000 Hektar beansprucht. Das entspricht etwa 19% der landwirtschaftlich genutzten Ackerfläche. Besonders beliebt als ökologische Vorrangfläche sind Zwischenfrüchte. Sie verbessern die Bodenstruktur und schützen Gewässer. In Stadt und Landkreis Bayreuth wurden 2018 auf etwa 1.700 Hektar Zwischenfrüchte angebaut wie zum Beispiel Ölrettich und Senf.

Drei von vier Landwirten leisten freiwillig Agrarumweltmaßnahmen

BlühflächenZoombild vorhanden

Blühmischung in Würnsreuth

Neben den Verpflichtungen im Rahmen des Greening leisten 73% unserer Landwirte auch über freiwillige Maßnahmen einen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität, beispielsweise im Rahmen des Bayerischen Kulturlandschaftsprogrammes (KULAP) oder des Vertragsnaturschutzprogrammes (VNP). An Agrarumweltmaßnahmen nahmen im Jahr 2018 insgesamt 1.261 von 1.735 Betrieben in Stadt und Landkreis Bayreuth teil. Die Auswertung nach bestimmten Betriebsformen hat ergeben, dass Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe gleichermaßen teilnehmen. Auch unter den viehhaltenden Betrieben ergaben sich keine signifikanten Unterschiede.
Zu den KULAP-Maßnahmen gehören unter anderem die Bereitstellung von Blühflächen, die vielfältige Fruchtfolge mit Eiweißpflanzen, der Erhalt artenreicher Grünlandbestände, die extensive Grünlandnutzung an Waldrändern oder die komplette Bewirtschaftung des Betriebes nach den Kriterien des Ökolandbaues. Fast jeder zweite Landwirt in Stadt und Landkreis Bayreuth beteiligt sich freiwillig an dem Programm, sodass mit über 14.000 Hektar ca. 28 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche im Jahr 2018 hierfür genutzt wurden. Ökologisch bewirtschaftet wurden 2018 im Übrigen rund 4.000 Hektar Fläche in Stadt und Landkreis Bayreuth (7% der landwirtschaftlich genutzten Fläche und 7% der Betriebe), die Tendenz ist steigend.
GrünlandZoombild vorhanden

Artenreiches Grünland

Neben dem Kulturlandschaftsprogramm werden von bayerischer Seite im Rahmen des Vertragsnaturschutzprogrammes (VNP) Bewirtschaftungsmaßnahmen auf Flächen gefördert, welche aus naturschutzfachlicher Sicht interessant sind und deren Zustand erhalten bzw. verbessert werden soll. Die Entscheidung über die Eignung der Flächen und die erforderlichen Bewirtschaftungsmaßnahmen trifft die untere Naturschutzbehörde am Landratsamt. Im Jahr 2018 waren dies im Landkreis Bayreuth insgesamt über 2.700 Hektar Fläche. Besonders häufig wird im Rahmen des VNP die extensive Mäh- und Weidenutzung naturschutzfachlich wertvoller Lebensräume gefördert (ca. 2.600 ha im Landkreis Bayreuth).
Blühender FeldstreifenZoombild vorhanden

Blühstreifen

Mit Blühflächen Lebensraum schaffen
Die Landwirte in Stadt und Landkreis Bayreuth legen auf 380 Hektar Fläche Blühstreifen an. Ein- oder mehrjährige, regional angepasste Blühpflanzen bieten Lebensraum und Futter für zahlreiche Insekten und Wildtiere. Ackerflächen, die mit Blühmischungen bestellt sind, bieten Lebensraum, Nahrung und Schutz für Wildtiere, Bienen und andere Nützlinge. Die Landwirte in Stadt und Landkreis Bayreuth stellen rund 100 Hektar für diese attraktive Landschaftsgestaltung bereit.

Gewässer schützen

Algen, Wasserflöhe, Insekten und Fische sorgen durch ihr Zusammenleben für einen guten Gewässerzustand. Eine extensive landwirtschaftliche Nutzung entlang von Gewässern gewährleistet, dass keine unerwünschten Stoffe durch Oberflächenabfluss oder Erosion in das Gewässer eingetragen werden. Anlässlich der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtline (WRRL) wurden bayernweit 36 Wasserberater eingestellt, um Landwirte bei acker- und pflanzenbaulichen Gewässerschutzmaßnahmen zu beraten.
Für die Landkreise Bayreuth, Kulmbach und Kronach ist Wasserberater Florian Wallner zuständig, sein Dienstsitz ist in Bayreuth. Die Versorgung der bayerischen Bevölkerung mit frischem, naturreinem Trinkwasser zu gewährleisten und das Grundwasser flächendeckend zu schützen, ist von großer Bedeutung und fordert auch die Landwirtschaft. Gewässer- und Bodenschutz liegen Landwirten besonders am Herzen, sind doch Wasser und Boden ihre wichtigsten Produktionsgrundlagen.
Die meisten Landwirte tun bereits einiges für den Gewässerschutz. Florian Wallner zeigt ihnen Wege auf, wie sie diese Maßnahmen optimieren können und welche neuen Möglichkeiten es gibt. In der Praxis gibt er Tipps und Informationen über den neuesten Stand einer gewässerschonenden Bewirtschaftung. Mulch- und Direktsaat helfen zum Beispiel die Erosion und damit den Stoffeintrag in Oberflächengewässer zu vermeiden. Aber auch Gewässerrandstreifen tragen zur Verminderung von Fremdstoffeinträgen bei. So beteiligen sich beispielsweise in Stadt und Landkreis Bayreuth 66 Landwirte freiwillig am Kulturlandschaftsprogramm B34 (Gewässer- und Erosionsschutzstreifen) mit insgesamt 48 Hektar, dies entspricht ca. 48 km Gewässer- oder Erosionsschutzstreifen. Ziel ist es, alle Fluss- und Grundwasserkörper in einen "guten ökologischen Zustand" nach WRRL zu bringen.

Demonstrationsbetrieb im Landkreis Bayreuth

Ansprechpartner

Florian Wallner
AELF Coburg
Adolf-Wächter-Str. 10-12
95447 Bayreuth
Telefon: 0921 591-1616
Fax: 0921/591234
E-Mail: poststelle@aelf-co.bayern.de

Lebensraum für Bienen

Die Honigbiene ist neben Rind und Schwein das bedeutendste Nutztier. Nicht nur die Kulturpflanzen in der Landwirtschaft sind auf die Bestäubung angewiesen, sondern auch viele Natur- und Wildpflanzen. In Bayern gibt es in jedem Regierungsbezirk (Mittel- und Unterfranken zusammen) einen Bienenfachberater bzw. eine Bienenfachberaterin. Für Oberfranken ist das Barbara Bartsch, ihre Dienststelle ist in Bayreuth. Die Fachberatung für Bienenzucht versteht sich als Schnittstelle zwischen der landwirtschaftlichen Forschung und den Imkern beziehungsweise Menschen, die sich für die Bienenhaltung interessieren. Dabei sollen wissenschaftliche Erkenntnisse und Praxiswissen gezielt zur Förderung der Imkerei eingesetzt und weitergegeben werden.

Die Aufgaben umfassen:

  • Einzelberatungen
  • Aus- und Fortbildung
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Wissensvermittlung über das Internet
  • Stellungnahmen für Behörden
  • Unterstützung von Projekten
  • Unterstützung von imkerlichen Einrichtungen (z.B. Belegstellen)
Entwicklung der Bienenvölker und Bienenhalter im Landkreis Bayreuth:
StandBienenhalter Völker
28.01.20197223720
20187283782
20176843631
20166453551
Dazu kommen noch ca. 100 Bienenhalter mit ca. 350 Völkern in der Stadt Bayreuth, die Tendenz ist auch in der Stadt Bayreuth leicht steigend.

Ansprechpartnerin
Barbara Bartsch
Staatliche Fachberatung für Bienenzucht am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bayreuth
Tel.: 0921 591-1610

Lebensraum für Wildtiere

Natürliche Strukturen wie Hecken, Feldgehölze, Streuobst und Säume prägen das Landschaftsbild. Sie bieten unseren Pflanzen und Wildtieren wie Feldhase, Rebhuhn oder Feldlerchen einen Lebensraum. Seit 2015 gibt es in Bayern in jedem Regierungsbezirk einen Wildlebensraumberater. Matej Mezovský berät die oberfränkischen Landwirte, Jäger und andere Interessierte hinsichtlich der Schaffung von Lebensräumen für Wildtiere wie Feldhase, Rebhuhn, Singvögel, Schmetterlinge und blütenbestäubende Insekten. Grundsatz seiner Arbeit ist eine Gestaltung der Feldflur, die dem Landwirt keinen Nachteil bringt, sondern die landwirtschaftliche Produktion auf fruchtbaren Standorten ermöglicht und einen Lebensraum für Wildtiere auf Flächen bietet, die für die Produktion ungünstiger sind. Beispielsweise könnte der geeignete Lebensräum für Wildtiere eine Blühfläche, ein Feldrand oder ein Zwischenfruchtbestand darstellen.

Wildlebensraumberatung in Oberfranken

Matej Mezovský
AELF Coburg
Lichtenfelser Str. 9
96231 Bad Staffelstein
Telefon: 09561 769-2132
Fax: 09561 7692190
E-Mail: poststelle@aelf-co.bayern.de

Genetische Ressourcen erhalten

BuchweizenfeldZoombild vorhanden

Buchweizenfeld

Alte Sorten von Kulturpflanzen steigern die pflanzengenetische Vielfalt in der Landwirtschaft. Alte Nutztierrassen bilden einen genetischen Pool für gesunde, robuste Tiere, der in Zukunft für die Tierzüchtung wertvoll sein kann; zudem fördern sie die Vielfalt der heimischen Flora und Fauna. Im pflanzlichen Bereich können im Rahmen der Kulap-Maßnahme B46 beispielsweise Fruchtfolgen mit alten Kulturarten wie Emmer, Einkorn, Rispenhirse, Buchweizen, Sorghumhirse, Linsen, Öllein, Krambe/Echter Meerkohl, Leindotter, Runkelrübe/Futterrübe und Mohn gefördert werden. In Stadt und Landkreis Bayreuth wurden im Jahr 2018 insgesamt 61 ha an alten Sorten angebaut.
GelbviehZoombild vorhanden

Gelbviehkuh mit Kalb

Das Förderprogramm "Erhaltung gefährdeter Nutztierrassen in Bayern" des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) unterstützt Betriebe, die vom Aussterben bedrohte Tierrassen halten. In diesem Förderprogramm stehen Mittel für sechs Rinder-, zwei Pferde- und sieben Schafrassen zur Verfügung. Beispielsweise zählt das in Franken heimische Gelbvieh zu den gefährdeten Nutztierrassen. Landwirtschaftliche Betriebe, wie die Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth, halten bedrohte Rinder- oder auch Schafrassen wie das Coburger Fuchsschaf. Sie leisten damit einen wertvollen Beitrag zur genetischen Vielfalt. Von April bis Oktober können Sie die Kühe je nach Wetter auf den Weiden der Lehranstalten sehen.

Leistungen der Waldbesitzer

WaldZoombild vorhanden

Ökosystem Wald

44 Prozent der Fläche in Stadt und Landkreis Bayreuth sind Wald. Der Umbau von Nadelbeständen in klimatolerante, laubholzreiche Mischbestände führt zu einer deutlichen Verbesserung der Biodiversität in unseren Wäldern. Durch Pflanzung, Naturverjüngung und gezielte Pflege werden in den privaten und kommunalen Wäldern in Stadt und Landkreis Bayreuth jährlich zwischen 50 und 100 Hektar artenreicher, gemischter Waldbestände neu geschaffen. Dem Waldnaturschutz messen unsere Waldbesitzer eine immer größere Bedeutung zu. Sie nehmen vermehrt das Vertragsnaturschutzprogram Wald (VNP Wald) in Anspruch.
Der Erhalt von Biotopbäumen und Totholz, die Mittelwaldbewirtschaftung, der Nutzungsverzicht und die Schaffung lichter Waldstrukturen sind durch VNP Wald geförderte Naturschutzmaßnahmen in unseren Wäldern. Zudem befinden sich ca. 3.400 ha Wald in Stadt und Landkreis Bayreuth in FFH-Gebieten. Diese Wälder werden dem Schutzzweck entsprechend bewirtschaftet (betrifft Privat-, Kommunal- und Staatswald).
Von diesen 58 600 Hektar ist die Hälfte in privater und bäuerlicher Hand. Das Ökosystem Wald ist reich an Lebensräumen für Flora und Fauna. Es ist wichtig, die natürlichen Waldgesellschaften zu erhalten und zu fördern.

Artenvielfalt im Garten

Gärten sind nicht nur unser zweites grünes Wohnzimmer, sondern auch ein eigener Mikrokosmos an Vielfalt und Leben. Im Frühjahr lassen sich die Weichen für mehr Artenreichtum im Garten und den Schutz der Bienen, Insekten und Kleintiere stellen.
Hausgarten
Staudenbeete, Blumenwiesen, Hecken, Steinmauern und Nistkästen bieten Lebensraum für Insekten, Vögel und andere Tiere. In gepflegten Rasenflächen, Koniferen, Schotter und Pflasterflächen gibt es dagegen weder Nahrung noch Versteck. Jeder Landkreis hat einen Kreisfachberater mit Sitz am Landratsamt. Dieser unterstützt auch bei der Gestaltung eines artenreichen Gartens. Im Landkreis Bayreuth ist dies Oliver Rendl (Tel. 0921/728 381).
Obstbau
In der Fränkischen Schweiz hat der Kirsch- und Zwetschenanbau Tradition. Die Befruchtung der Obstgehölze ist für die Obstbauern entscheidend. Seit Jahren fördern sie deshalb Bienen, Wildbienen und Hummeln. Es werden Dachziegel, Steinhaufen und angebohrte Holzklötze aufgestapelt, um Insekten Brutmöglichkeiten zu schaffen.
Gemüsebau
In Oberfranken war Bamberg einmal Schwerpunkt des Gemüsebaus. Leider ist der Gemüsebau hier rückläufig. Oberfränkische Besonderheiten sind das Bamberger Hörnchen als Kartoffelsorte, der Anbau von Süßholzwurzeln zur Herstellung von Schnaps sowie die Erhaltungszüchtung der Schwarzwurzelsorte "Hoffmanns Schwarze Pfahl". In Forchheim ist mit Samen Hoffmann einer der letzten Gemüsesamenzüchter in Oberfranken tätig.