Rückblick Fachtagung am 21. Oktober 2015
Kinderernährung bewegt – Trends unter der Lupe

Kleinkind hält Keks in der Hand © Getty Images

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Die Fachtagung am 21. Oktober 2015 am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bayreuth beleuchtete Themen, denen in der Öffentlichkeit immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Erzieher/-innen und Multiplikatoren/-innen der Bereiche Ernährung, Bewegung und Gesundheit erhielten Klarheit im „Dschungel der Empfehlungen“ sowie alltagstaugliche Anregungen und Entscheidungshilfen.

Die Referenten der Fachvorträge und Foren nahmen Trends wie zum Beispiel vegetarische und vegane Ernährung bei Kindern unter die Lupe und vermittelten neueste Erkenntnisse zum Thema Lebensmittelunverträglichkeiten und Allergien. Auch ein Blick auf die modernen Empfehlungen der Bewegungsförderung im Kinder- und Familienalltag fehlte nicht.
Die Veranstaltung bot außerdem die Möglichkeit zum Netzwerken und zum regen Erfahrungsaustausch unter Fachkollegen.

Ablauf

Ablauf

ab 8:45 Uhr
Eintreffen der Teilnehmer bei Kaffee und Finger Food
9:30 Uhr - Eröffnung und Grußworte
Dr. Ernst Heidrich, Behördenleiter, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bayreuth
Vertreter des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
9:50 Uhr - Aktuelles aus dem Fachzentrum Ernährung/ Gemeinschaftsverpflegung Oberfranken
Isabel Lück, Projektmanagerin Ernährungsbildung
10:00 Uhr - Kinderernährung vegetarisch oder vegan – ist das sinnvoll?
Dr. Annett Hilbig, Dipl. Oecotrophologin, Forschungsinstitut für Kinderernährung, Dortmund
11:00 Uhr - Aktive Pause
11:15 Uhr - Bewegte Kindheit 2015 – vom Windelflitzer zum Handy(be)sitzer?
Ines Eisenbarth, Dipl. Sportökonomin, inBewegung.org, Dorfen
12:15 Uhr - Mittagspause
Zeit zum Netzwerken
13:30 Uhr - Foren
1. Durchgang
14:30 Uhr - Kaffeepause und Forenwechsel
15:00 Uhr - Foren
2. Durchgang
16:00 Uhr - Abschluss im Plenum
16:15 Uhr - Ende der Veranstaltung

Foren

Foren

Forum 1: Baby-Led-Weaning, Snacking und Co. – (k)eine Alternative?
Neue Trends in der Kinderernährung wie Baby-Led-Weaning führen zu Verunsicherungen bei Eltern und Fachkräften. Hier erhalten Sie einen kurzen Überblick und diskutieren die Vor- und Nachteile.
Dr. Annett Hilbig, Dipl. Oecotrophologin, Forschungsinstitut für Kinderernährung
Forum 2: Allergien und Unverträglichkeiten im Kindesalter
Immer mehr Kinder sind betroffen – eine Herausforderung auch für die betreuenden Personen. Was ist harmlos, was gefährlich? Wie kann ein sicherer Rahmen geschaffen werden? In diesem Forum erhalten Sie Antworten auf die häufigsten Fragen.
Monika Ziebart, MSc. Oecotrophologin, gesund + wohlgenährt
Forum 3: Jonglier-Spiele und Pantomime
Wir zeigen Ihnen einfache Jonglierideen für Eltern und Kinder und wollen selbst mit Tüchern und Bällen üben. Weiterhin erhalten Sie Anregungen für Spiele aus den Bereichen Pantomime und Körpersprache, die überall und jederzeit ohne Material umgesetzt werden können.
Tom Langmeier, Erzieher, Kinderinsel Sonnenschein
Forum 4: Spiele ohne Gewinner und Verlierer
In Gruppen ist es oft schwierig, alle Kinder gleichermaßen zu aktivieren. Kommt dann noch ein Supersportler mit „ich kann das viiieeel besser“ ist die Motivation im Keller. Wir zeigen, wie Sie Bewegungsanlässe gestalten können, an denen Eltern und Kinder Spaß haben und die Spirale von „größer, schneller, weiter“ leicht durchbrochen wird.
Ines Eisenbarth, Dipl. Sportökonomin, inBewegung.org

Kinderernährung vegetarisch oder vegan – ist das sinnvoll?

Vortrag

Dr. Annett Hilbig

Obwohl für Kinder derzeit keine aktuellen Daten zum Vegetarismus vorliegen, vermutet man in diesen Altersgruppen einen steigenden Trend. Diese Tatsache nahm Dr. Annett Hilbig, Diplom-Oecotrophologin am Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE), als Anlass, in ihrem Vortrag die Frage zu beantworten, ob eine vegetarische oder sogar vegane Ernährung für einen wachsenden Organismus geeignet ist. Nach einer kurzen Darstellung der verschiedenen Formen des Vegetarismus kam sie zu dem Fazit, dass eine ovo-lakto-vegetarische Ernährung (Verzicht auf Fleisch und Fisch) bei einer ausgewogenen Lebensmittelauswahl durchaus möglich ist. Als kritische Nährstoffe werden vor allem Eisen, Jod und Omega-3-Fettsäuren diskutiert.
Mit einer wohlüberlegten Gestaltung des Speiseplans kann das Risiko für einen Nährstoffmangel minimiert werden. Eine Kombination von pflanzlichen Eisenquellen wie Vollkorngetreide oder Hülsenfrüchten mit Vitamin-C-reichen Lebensmitteln wie Gemüse oder Obstsaft hilft beispielsweise die Eisenversorgung zu verbessern. Durch die Verwendung von jodiertem Speisesalz sowie konventioneller Milchprodukte wird ein Jodmangel verhindert. Zu einer Verbesserung der Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren trägt die Verwendung hochwertiger Pflanzenöle wie beispielsweise Rapsöl bei.
Vegane Ernährung nicht empfehlenswert
Ganz klar lässt sich allerdings sagen, dass eine vegane Ernährung für Kinder nicht empfehlenswert ist. Das Risiko für einen Nährstoffmangel (vor allem an Vitamin B12 und B2, Kalzium, Jod, Zink etc.) ist besonders im Wachstumsalter hoch. Zur Sicherstellung einer angemessenen Versorgung ist es notwendig, angereicherte Lebensmittel und/oder Supplemente zu verwenden. Laut Dr. Hilbig sollte bei vegetarisch oder vegan ernährten Kindern generell das Wachstum, die Entwicklung sowie die Nähstoffversorgung regelmäßig vom Kinderarzt überprüft werden.

Bewegte Kindheit 2015 – vom Windelflitzer zum Handy(be)sitzer?

Vortrag

Ines Eisenbarth

Ines Eisenbarth, Diplom-Sportökonomin und Mitarbeiterin des Netzwerks inBewegung.org, begann ihren Vortrag mit einer sehr erfreulichen Nachricht aus der Bewegungsforschung: Die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen in Deutschland ist sportlich aktiv und bewegt sich regelmäßig im Freien!

Dennoch nahm die Referentin bestimmte Punkte kritisch unter die Lupe:

  • Soziale Ungleichheiten haben sich in Deutschland eher verstetigt. Im Sport beginnen diese bereits im frühen Kindesalter. Erforderlich sind daher verstärkt niederschwellige Angebote im Kleinkindalter, um sozial benachteiligte Familien frühzeitig zu erreichen. Es gilt, den organisierten Sport mit stadtteilbezogenen und wohnortnahen Angeboten, wie Babyschwimmen, psychomotorische Frühförderung, offene Bewegungs- und Spielangebote zusammenzubringen und neue Angebote zu entwickeln.
  • Die zunehmende Institutionalisierung von Kindheit und Jugend durch den Ausbau von Krippen, Kitas und Ganztagsschulen und die damit verlängerten Aufenthalte in den Institutionen bergen die Gefahr einer wachsenden Inaktivität und zunehmenden Sitz-Zeit. Kitas, Träger, Kommunen, Schulen, und Sportvereine sollten es daher als gemeinsame Aufgabe betrachten, Bewegungs-, Spiel- und Sportaktivitäten in einen ausgewogenen, rhythmisierten Tagesablauf von Kindern und Jugendlichen zu integrieren.
  • Eltern und pädagogische Fachkräfte sollten einen bewegten Lebensstil für sich selbst und v.a. den bewegten Lebensstil (ihrer) Kinder von Anfang an mitgestalten, indem sie z.B. vielfältige Bewegungsanlässe im Alltag schaffen, die Mediennutzung begrenzen und selbst ihre Rolle als „bewegte“ Vorbilder wahrnehmen.

Foren

In den Foren am Nachmittag hatten die Tagungsteilnehmer die Möglichkeit, sich weiteren Trend-Themen zu widmen und gegenseitig ihre Erfahrungen auszutauschen. So diskutierten sie beispielsweise mit Dr. Annett Hilbig die Vor- und Nachteile von Baby-led weaning und Snacking. Auch ein Überblick über das Thema „Allergien und Unverträglichkeiten im Kindesalter“ durfte natürlich nicht fehlen. Mit Monika Ziebart, Msc. Oecotrophologie von gesund + wohlgenährt und selbst Mutter von fünf Kindern, konnte eine Expertin auf diesem Gebiet gewonnen werden. „Trendige“ Ideen für alltagstaugliche Bewegungsspiele erhielten die Teilnehmer von den Referenten Ines Eisenbarth und Tom Langmeier: ob Jonglage, Pantomime oder Laufspiele wie „Stinkender Schlappen“ oder „Tolle Trolle“ – ein Bewegungsspaß nicht nur für die Kleinen!

Kontakt

Isabel Lück
AELF Bayreuth
Adolf-Wächter-Straße 10 - 12
95447 Bayreuth
Telefon: +49 921 591-344
Fax: 0921 591-111
E-Mail: poststelle@aelf-by.bayern.de